Objekt des Monats Oktober

Säbel für Bergbeamte des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers von Max Freitag

um 1910

Ganz nah an ein Exponat herantreten, es ohne Absperrung dazwischen ansehen und sogar anfassen – ein Szenario, dass in einem Museum zum Schutz der Objekte meist nicht möglich ist. Da es manchmal aber auch wichtig ist, den Gegenstand näher zu betrachten oder sogar anzufassen, um ihn im wahrsten Sinne des Wortes zu begreifen, hat das Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge eine Verbrauchs- und Reservesammlung. Aus dieser stammt das Objekt des Monats Oktober – ein Säbel für Bergbeamte des Lugau-Oelsnitzer Steinkohlenreviers.

Ursprünglich hatten Bergleute das Recht, Waffen zu tragen. Obwohl diese Regel im Lauf der Zeit abgeschafft wurde, blieb der Säbel Bestandteil der Paradeuniform des Bergbaus – jedoch nicht für alle Bergleute: Nur Bergbeamte durften einen Säbel tragen. Für die Uniformen wurden spezielle Säbel angefertigt, die allerdings sehr kostspielig waren. Deswegen gab es auch sogenannte Vereinssäbel. Diese Exemplare waren nicht von vornherein an einen speziellen Verein oder eine Berufsgruppe gebunden, sondern wurden je nach Bedarf mit einem entsprechenden Zeichen oder Insignie versehen. Zu letzteren gehört das Objekt des Monats. Der Löwenkopfsäbel hat militärische Verzierungen an der Klinge und ist ausschließlich durch die überkrönten Bergmannsinsignien – Schlägel und Eisen – als Säbel für Bergbeamte zu erkennen. Dass es sich um einen Bestandteil der Paradeuniform des Steinkohlenbergbaus handelt, verdeutlicht die Farbe des Säbelgriffs. Dieser war im westsächsischen Steinkohlenbergbau meist versilbert oder vernickelt, während im Erzbergbau goldene Elemente vorherrschten.

Das Objekt des Monats gehörte Max Freitag. Dass dem Säbel sein ehemaliger Besitzer zugeordnet werden kann, ist nicht selbstverständlich. Denn gerade bei den Objekten, die in den ersten Jahren nach der Gründung des Bergbaumuseums in die Sammlung kamen, ist dies leider teilweise nicht mehr möglich. Dokumente von Max Freitag, wie beispielsweise seine Arbeitsbücher oder seine Schülerausweise der Bergschule zu Zwickau, die sich ebenfalls in der Sammlung des Museums befinden, verraten uns einiges über den ehemaligen Besitzer des Objekts des Monats und seinen Werdegang im Steinkohlenbergbau: Max Freitag wurde am 26. September 1894 in Oberwürschnitz geboren. Von 1909 bis 1912 war er als Fördermann beim Steinkohlenbauverein Gottes Segen zu Lugau angestellt. Anschließend besuchte er bis 1918 die Bergschule Zwickau. Währenddessen arbeitete Max Freitag unter anderem als Fördermann, Häuer und Zimmerling bei dem Actienverein der Zwickauer Bürgerschaft. Danach war er zunächst 30 Jahre als Steiger, dann bis 1954 als Reviersteiger/Obersteiger bei der Gewerkschaft Gottes Segen beschäftigt.

Die Verbrauchs- und Reservesammlung des Bergbaumuseums, zu der das Objekt des Monats gehört, kann als „Schatzkiste“ für die Abteilung Vermittlung angesehen werden, denn sie kann vor allem für die personellen Angebote auf die Sammlung zurückgreifen und somit die Möglichkeit schaffen, Objekte aus der Nähe zu betrachten und auch anzufassen.

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